Lebenslauf auf Deutsch oder Englisch? So entscheiden Sie
By Mustafa Tarabya, founder of CVBooster · Published · Updated
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Auf dem Rechner liegen zwei Dateien. Lebenslauf_DE.pdf und CV_EN.pdf, beide gepflegt, beide aktuell. Die Ausschreibung ist auf Deutsch verfasst, die Karriereseite des Unternehmens dagegen auf Englisch, im Team sitzen laut LinkedIn Leute aus fünf Ländern, und die Frist läuft heute Abend ab. Welche Datei geht raus?
Die üblichen Antworten helfen hier nicht weiter. „Passen Sie sich der Unternehmenskultur an“ ist keine Regel, sondern eine Umschreibung des Problems. Die Entscheidung fällt in wenigen Minuten, wenn man vier Signale in der richtigen Reihenfolge liest, und drei davon stehen sichtbar in der Ausschreibung und im Bewerbungsformular.
Die vier Signale in ihrer Reihenfolge
- Die Sprache der Stellenanzeige selbst. Das stärkste Signal, es schlägt alle anderen.
- Das Bewerbermanagementsystem, in das Sie hochladen. Es steht in der URL des Bewerbungsformulars.
- Größe, Branche und Standort des Arbeitgebers.
- Wer die Unterlagen zuerst öffnet: die Personalabteilung, die Fachabteilung oder eine externe Personalberatung.
Wenn Signal eins eindeutig ist, brauchen Sie die anderen drei nicht. Sie werden erst wichtig, wenn die Anzeige gemischt ist, und gemischt sind inzwischen sehr viele.
Signal 1: In welcher Sprache die Anzeige geschrieben ist
Eine Stellenanzeige ist der einzige Text im gesamten Verfahren, dessen Sprache der Arbeitgeber bewusst gewählt hat. Wer auf Deutsch ausschreibt, hat einen Prozess, der auf Deutsch läuft: das Anforderungsprofil, die Abstimmung mit der Fachabteilung, die Notizen im System. Antworten Sie in der Sprache, in der Sie gefragt wurden. Das ist die ganze Regel.
Englische Jobtitel ändern daran nichts. „Senior Product Manager (m/w/d)“ in einem sonst deutschen Fließtext ist kein Sprachsignal, sondern Branchenvokabular. In Marketing, IT, Einkauf und Logistik sind die Bezeichnungen seit Jahren englisch, während drumherum alles auf Deutsch stattfindet. Entscheidend ist der Teil der Anzeige, den ein Mensch selbst formuliert hat: die Aufgabenbeschreibung und der Abschnitt über das Unternehmen.
Die Gegenprobe gilt genauso. Schreibt ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland eine Stelle auf Englisch aus, ist eine deutsche Bewerbung keine besondere Anstrengung, sondern zusätzliche Arbeit für den Leser. Häufig sitzt die Person, die zuerst liest, gar nicht in Deutschland. Dann landet Ihr sorgfältig formuliertes Anschreiben in einer Übersetzungssoftware, in genau der Fassung, die Sie nie geprüft haben.
Tip: Prüfen Sie die Originalanzeige auf der Karriereseite des Unternehmens, nicht die Fassung auf der Jobbörse. Manche Arbeitgeber veröffentlichen dieselbe Stelle in zwei Sprachfassungen parallel. Welche zuerst da war, sieht man meistens daran, welche vollständiger ist und welche Kontaktperson dort genannt wird.
Signal 2: Das System, in das Sie hochladen
Klicken Sie auf „Jetzt bewerben“ und schauen Sie in die Adresszeile. Die URL verrät den Anbieter des Bewerbermanagementsystems, und der Anbieter verrät, wie das Recruiting organisiert ist.
- Personio, softgarden, d.vinci, rexx systems, Haufe umantis, concludis: deutsche Anbieter, verbreitet im Mittelstand. Die Oberfläche und die Pflichtfelder sind in aller Regel deutsch, der Prozess dahinter auch.
- SAP SuccessFactors: typisch für Konzerne. Kann beides, ist aber meistens in der Sprache konfiguriert, in der die Anzeige erschienen ist.
- Greenhouse, Lever, Workday, Ashby, SmartRecruiters, Teamtailor: englischsprachig aufgesetzte Systeme, häufig bei Unternehmen mit international besetztem Recruiting-Team.
- Interamt: öffentlicher Dienst, ausschließlich deutsch. Dazu weiter unten mehr.
- Kein Formular, sondern nur eine E-Mail-Adresse: kleiner Betrieb ohne System. Dort liest ein Mensch, und dieser Mensch liest fast immer auf Deutsch.
Wichtig ist nicht die Technik, sondern was sie über den Prozess verrät. Ein deutsches System macht ein englisches PDF nicht unlesbar. Es bedeutet, dass die Auswahl auf Deutsch organisiert ist: Anforderungsprofil, Bewertungsbögen, vor allem aber die Suchbegriffe, mit denen später jemand in der Kandidatendatenbank nachschaut. Wer sein Profil auf Englisch hinterlegt, taucht bei einer Suche nach „Projektleitung Instandhaltung“ nicht auf, auch wenn im Lebenslauf genau das steht, nur eben als „maintenance project management“. Diese zweite Chance, gefunden statt gelesen zu werden, geht still verloren.
Signal 3: Größe, Branche und Standort
Der deutsche Mittelstand bewirbt sich selbst auf Deutsch. Maschinenbau, Handwerk, Handel, Pflege, Sozialwirtschaft, Steuer- und Rechtsberatung, Kommunalnähe: dort ist Deutsch nicht eine Präferenz, sondern die Arbeitssprache aller Beteiligten, inklusive Kunden, Lieferanten und Behörden. Eine englische Bewerbung wirkt dort nicht weltläufig, sondern unpassend.
Bei Konzernen existieren zwei Ebenen. Die Konzernsprache kann Englisch sein, während die Einstellung am deutschen Standort trotzdem eine deutschsprachige Personalabteilung abwickelt. Hier helfen nur die Signale eins und zwei: In welcher Sprache steht diese eine Anzeige, und wie ist dieses eine Formular konfiguriert?
Englisch ist dagegen die erste Sprache bei risikokapitalfinanzierten Tech-Unternehmen in Berlin und München, in Teilen der Life Sciences und der Pharmaforschung, bei internationalen Beratungen sowie in Forschung und Wissenschaft. Ein gutes Erkennungsmerkmal ist der Satz „German is a plus“ in der Anzeige. Er heißt genau das, was dort steht: Deutsch wird nicht gebraucht, und eine deutsche Bewerbung beantwortet eine Frage, die niemand gestellt hat.
Signal 4: Wer die Unterlagen zuerst öffnet
Es gibt einen praktischen Test, der überraschend gut funktioniert: die Kontaktperson am Ende der Anzeige. Steht dort „Ihre Ansprechpartnerin: Frau Meyer, Personalreferentin“ mit einer Durchwahl, ist die Bewerbung deutsch. Steht dort „Talent Acquisition Partner“ mit einem Terminbuchungslink, ist sie englisch. Das ist keine Ironie, sondern ein Hinweis darauf, wie sich die Abteilung selbst versteht und in welcher Sprache sie ihre internen Notizen schreibt.
Ein Sonderfall ist die externe Personalberatung. Wird der Arbeitgeber in der Anzeige nicht genannt, richten Sie sich nach der Beratung, nicht nach Ihrer Vermutung über den Kunden. Sie schreibt das Kurzprofil, mit dem sie Sie beim Kunden vorstellt, und zwar in ihrer eigenen Arbeitssprache. Eine kurze Mail mit der Frage nach der gewünschten Sprache ist dort völlig üblich.
Die Regel in vier Sätzen
- Anzeige auf Deutsch: Lebenslauf und Anschreiben auf Deutsch, auch wenn Ihr Deutsch nicht perfekt ist.
- Anzeige auf Englisch, Arbeitgeber in Deutschland: Unterlagen auf Englisch, dazu eine Zeile zu Ihrem Deutschniveau.
- Gemischte Anzeige: Es entscheidet die Sprache des Fließtexts, nicht die der Jobbezeichnung oder der Stichwortliste.
- Initiativbewerbung ohne Anzeige: die Sprache der Unternehmenswebsite, im Zweifel Deutsch.
Diese Regel ist bewusst hart formuliert. Sie ist nicht in jedem Einzelfall die theoretisch optimale Wahl, aber sie ist in fast jedem Einzelfall vertretbar, und sie kostet zehn Sekunden statt eines ganzen Abends.
Warum beide Fassungen in einem PDF meistens schaden
Der beliebteste Ausweg aus der Entscheidung ist die Doppelfassung: Seite eins und zwei auf Deutsch, Seite drei und vier auf Englisch, alles in einer Datei, dann passt es immer. In der Praxis passt es dadurch seltener, nicht öfter.
- Das Dokument wird doppelt so lang. Ein Lebenslauf, den das System mit vier Seiten anzeigt, wirkt überfrachtet, bevor ihn jemand geöffnet hat.
- Der Leser landet in der falschen Hälfte. Wer Deutsch erwartet und Englisch sieht, muss erst blättern, und ein Teil blättert nicht.
- In Bewerbermanagementsystemen füllt ein Parser aus dem Dokument die Felder für Stationen und Zeiträume. Zwei Fassungen derselben Laufbahn können dabei als doppelte Einträge landen. Garantiert ist das nicht, vermeidbar schon.
- Die Doppelung beantwortet die Frage nicht, sie verschiebt sie. Nach dem Lesen weiß niemand, in welcher Sprache das Gespräch stattfinden soll, und genau das war der eigentliche Zweck der Sprachwahl.
Es gibt eine Ausnahme, und sie ist eng: interne Bewerbungen in Konzernen, bei denen die Personalabteilung ausdrücklich zweisprachige Unterlagen anfordert, weil das Dokument mehrere Standorte durchläuft. Dann steht es in der Ausschreibung. Steht es nicht dort, ist es keine Ausnahme.
Wenn Sie wirklich beide Fassungen brauchen
Dann sind es zwei Dateien, nicht eine. Die Fassung in der Sprache der Anzeige ist der Hauptanhang. Die zweite schicken Sie nur mit, wenn Sie einen konkreten Grund haben anzunehmen, dass die Unterlagen intern weitergereicht werden, etwa an eine Fachabteilung im Ausland. Der elegantere Weg ist ein Satz am Ende des Anschreibens: Eine englische Fassung Ihrer Unterlagen reichen Sie auf Wunsch gern nach. Das kostet eine Zeile und verlagert die Entscheidung dorthin, wo sie hingehört.
Tip: Benennen Sie die Dateien so, wie sie archiviert werden: Lebenslauf_Nachname_Vorname.pdf und CV_Nachname_Vorname_EN.pdf. Deutsche Personalabteilungen legen Bewerbungen nach Nachnamen ab. Ein Anhang namens „cv_final_v3.pdf“ ist ein kleiner, aber echter Reibungspunkt, und er ist in zehn Sekunden behoben.
Was tun, wenn Ihr Deutsch für einen deutschen Lebenslauf nicht reicht
Das ist der eigentlich schwierige Fall: Die Anzeige ist deutsch, die Stelle passt fachlich genau, und Ihr Deutsch liegt bei A2 oder B1. Beide naheliegenden Auswege sind schlecht. Eine englische Bewerbung ignoriert das stärkste Signal. Eine deutsche Bewerbung, die jemand anderes geschrieben hat, erzeugt eine Erwartung, die im ersten Telefonat platzt.
Der gangbare Weg trennt die beiden Dokumente. Der Lebenslauf besteht überwiegend aus Substantiven, Datumsangaben, Firmennamen und Positionsbezeichnungen. Er lässt sich sauber ins Deutsche übertragen, ohne nach einer fremden Stimme zu klingen, und er sollte auf Deutsch sein. Das Anschreiben dagegen ist der Text, an dem Ihr Niveau sichtbar wird. Schreiben Sie es trotzdem selbst: auf Deutsch, kurz, in einfachen Sätzen, ohne Formulierungen aus Vorlagen. Ein schlichtes Anschreiben, das zu Ihnen passt, ist besser als ein makelloses, das Sie im Gespräch nicht einlösen können.
Dazu gehört eine ausdrückliche Zeile zum Sprachstand, im Lebenslauf und im Anschreiben. Etwa: Deutsch B1, B2-Kurs läuft, Fachgespräche derzeit sicherer auf Englisch. Das fühlt sich beim Schreiben nach einem Nachteil an. Tatsächlich ersetzt es eine spätere Enttäuschung durch eine planbare Information, und Personalabteilungen können mit planbaren Informationen arbeiten.
Tip: Wer ohne belastbares Deutsch sucht, sollte mehr Zeit in die Auswahl der Arbeitgeber stecken als in die Formulierung der Unterlagen. Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ist praktisch durchgehend deutschsprachig; englischsprachige Stellen finden sich eher direkt auf den Karriereseiten internationaler Arbeitgeber. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur berät Fachkräfte aus dem Ausland.
Wo überhaupt keine Wahl besteht: der öffentliche Dienst
Im Verwaltungsverfahrensgesetz steht in § 23 Absatz 1 ein Satz, der die Frage für einen großen Teil des Arbeitsmarkts beendet: Die Amtssprache ist deutsch. Behörden, Kommunen, Hochschulverwaltungen und öffentliche Träger arbeiten auf Deutsch, ihre Auswahlentscheidungen müssen auf Deutsch dokumentiert und begründet werden. Bewerbungen laufen häufig über Interamt, das Stellenportal des öffentlichen Dienstes, mit deutschsprachigen Formularfeldern und einem deutsch formulierten Anforderungsprofil. Eine englische Bewerbung ist dort nicht mutig, sondern unbrauchbar.
Die Ausnahme ist die Wissenschaft. Postdoc-Stellen, Drittmittelprojekte und Professuren werden an deutschen Hochschulen regelmäßig auf Englisch ausgeschrieben und auf Englisch besetzt, obwohl die Hochschule eine öffentliche Einrichtung ist. Die Stellen in der Verwaltung derselben Hochschule dagegen nicht. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen den Arbeitgebern, sondern zwischen den einzelnen Stellen, und sie ist an der Anzeige ablesbar.
Der Fehler, der teurer ist als die Sprachwahl selbst
Häufiger als die falsche Sprache ist die halbe. Ein deutscher Lebenslauf mit englischen Rubriküberschriften, „Work Experience“ über deutschen Stichpunkten, sieht nach einer Vorlage aus, die niemand zu Ende bearbeitet hat. Dasselbe gilt für eine englische Fassung, in der die deutsche Note 1,7 unkommentiert stehen bleibt.
Ebenso auffällig ist der Bruch zwischen den Kanälen. Wer einen deutschen Lebenslauf einreicht, dessen LinkedIn-Profil aber komplett auf Englisch steht und dort eine andere Positionsbezeichnung trägt als im Dokument, produziert genau die Abweichung, die beim Nachschauen sofort ins Auge fällt. Nachgeschaut wird fast immer. Entscheiden Sie also nicht nur die Sprache der Bewerbung, sondern prüfen Sie danach kurz, was jemand sieht, der Ihren Namen sucht.
Was diese Entscheidung nicht rettet
Bei aller Sorgfalt: Die Sprachwahl entscheidet selten allein über die Einladung. Sie entscheidet darüber, ob die Unterlagen reibungslos gelesen, richtig zugeordnet und später wiedergefunden werden. Ein fachlich überzeugender englischer Lebenslauf wird auch bei einem deutschen Mittelständler gelesen, wenn die Stelle schwer zu besetzen ist. Ein fachlich unpassender wird auf Deutsch genauso abgelehnt wie auf Englisch.
Wenn über Monate keine Rückmeldungen kommen, liegt das in den seltensten Fällen an der Sprache des Dokuments. Es liegt meistens am Zuschnitt: an Stationen, die nicht auf die Ausschreibung antworten, an fehlenden Ergebnissen, an einem Profil, das für drei verschiedene Berufsbilder gleichzeitig geschrieben wurde. Die Sprachfrage ist in zehn Sekunden geklärt. Danach fängt die eigentliche Arbeit an.
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