Formulierungen Arbeitszeugnis: 45 Sätze und ihre Note

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Die Formulierungen im Arbeitszeugnis tragen eine Schulnote, und Sie erkennen sie an den Steigerungen: drei Steigerungen bedeuten sehr gut, zwei gut, eine befriedigend, keine ausreichend. Die Note steckt in Wörtern wie „stets", „vollste" und „im Allgemeinen", nicht im freundlichen Ton des Textes. Die Beispielsätze auf dieser Seite sind wörtlich zitiert aus dem ABC der Zeugnissprache von ver.di und dem IHK-Merkblatt „Arbeitszeugnis" (Stand Februar 2025), gelesen im September 2026. Unten stehen 45 Sätze mit ihrer Note und dem Ersatzsatz, den Sie verlangen, dazu fünf vollständige Zeugnisauszüge. Geschrieben von Mustafa Tarabya, der für sein eigenes Unternehmen eingestellt, jede Bewerbung selbst gelesen hat und heute die CVBooster-Ratgeber schreibt.

Die Regel, nach der alles funktioniert

ver.di formuliert die Faustformel in einem Satz:

Zitat: „Als Faustformel für die Zufriedenheitsskala gilt: dreifache Steigerungen bedeuten sehr gute Leistungen, zweifache Leistungen entsprechen guten Leistungen, Auslassungen sind negativ." (ver.di)

Zwei Steigerungsträger sind dabei entscheidend: „stets", „immer" oder „jederzeit" auf der einen Seite, „volle" oder „vollste" auf der anderen. ver.di erklärt den Trick mit dem grammatisch falschen Superlativ: „‚zu unserer vollsten Zufriedenheit' (2 Steigerungen, da ‚vollste' als weitere Steigerung von ‚volle' gilt)".

Die Mitte der Skala setzt das IHK-Merkblatt: „Die Bewertung ‚zur vollen Zufriedenheit' gilt dabei als durchschnittliche Note, vergleichbar der Schulnote ‚befriedigend'."

Und die rechtliche Handhabe gegen versteckte Botschaften steht in § 109 Abs. 2 GewO: „Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen."

Auszug 1: die Gesamtbeurteilung in vier Noten

Ausgearbeitetes Beispiel: Zeugnisauszug, Gesamtbeurteilung Note 1 bis Note 4 im Vergleich, 118 Wörter

Zeugnisauszug, Gesamtbeurteilung Note 1 bis Note 4 im Vergleich (118 Wörter)

Note 1 (sehr gut)

Frau Özdemir hat den ihr übertragenen Aufgabenbereich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit abgedeckt. Ihre Leistungen waren stets sehr gut.

Note 2 (gut)

Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets gut.

Note 3 (befriedigend)

Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets befriedigend.

Note 4 (ausreichend)

Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets ausreichend.

Note 5 (mangelhaft)

Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erfüllt.

Note 6 (ungenügend)

Frau Özdemir hat sich bemüht, die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

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Worauf die Auswahl achtet

Die Formulierungstabelle: 45 Sätze, ihre Note, Ihr Ersatz

Alle Sätze in der Spalte „Formulierung im Zeugnis" stammen aus dem ver.di-ABC der Zeugnissprache oder aus dem IHK-Merkblatt. Die dritte Spalte ist der Satz, den Sie beim Arbeitgeber anfordern, wenn die Note falsch ist.

Formulierung im ZeugnisCodierte NoteFormulierung, die Sie stattdessen verlangen
stets zu unserer vollsten Zufriedenheitsehr gut (1)bereits die Bestnote
zu unserer vollsten Zufriedenheitgut (2)stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
stets zu unserer vollen Zufriedenheitgut (2)stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
zu unserer vollen Zufriedenheitbefriedigend (3)stets zu unserer vollen Zufriedenheit
stets zu unserer Zufriedenheitbefriedigend (3)stets zu unserer vollen Zufriedenheit
zu unserer Zufriedenheitausreichend (4)zu unserer vollen Zufriedenheit
im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheitmangelhaft (5)zu unserer vollen Zufriedenheit
hat sich bemüht, die Aufgaben zu erledigenungenügend (6)hat die Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt
zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifersehr gut (1)bereits die Bestnote
zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifergut (2)zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer
zeigte Initiative, Fleiß und Eiferbefriedigend (3)zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifer
zeigte bei entsprechendem Anstoß Fleiß und Eiferausreichend (4)zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifer
ergriff stets selbstständig die Initiative und führte alle erforderlichen Maßnahmen entschlossen durchsehr gut (1)bereits die Bestnote
erfüllte die übertragenen Aufgaben selbstständigbefriedigend (3)ergriff stets selbstständig die Initiative
führte unter Anleitung die übertragenen Aufgaben ausausreichend (4)erfüllte die übertragenen Aufgaben selbstständig
hat umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse, die er bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetztesehr gut (1)bereits die Bestnote
verfügt über ein gutes, fundiertes Fachwissen und löst schwierige Aufgaben jederzeitgut (2)umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse
verfügte über solide und brauchbare Fachkenntnissebefriedigend (3)verfügte über gründliche, abgesicherte Fachkenntnisse
verfügte über ein solides Grundwissen in seinem Arbeitsgebietausreichend (4)verfügte über solide und brauchbare Fachkenntnisse
beherrschte im Allgemeinen die Anforderungen seines Arbeitsgebietsausreichend (4)beherrschte sein Arbeitsgebiet umfassend und souverän
arbeitete stets mit größter Genauigkeit und äußerster Sorgfaltsehr gut (1)bereits die Bestnote
arbeitete stets gründlich und mit großer Sorgfaltgut (2)arbeitete stets äußerst gründlich und mit großer Sorgfalt
arbeitete sorgfältig und genaubefriedigend (3)arbeitete stets gründlich und mit großer Sorgfalt
arbeitete im Allgemeinen sorgfältig und genauausreichend (4)arbeitete sorgfältig und genau
die Ausführung seiner Arbeit entsprach im Allgemeinen unserem Qualitätsstandardausreichend (4)die Ausführung seiner Arbeit entsprach unserem Qualitätsstandard
war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusstsehr gut (1)bereits die Bestnote
war stets ein pflichtbewusster und vertrauenswürdiger Mitarbeitergut (2)war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusst
war zuverlässigbefriedigend (3)war immer zuverlässig
war im Allgemeinen ein zuverlässiger Mitarbeiterausreichend (4)war zuverlässig
war stets ein überzeugender und versierter Verhandlungspartnersehr gut (1)bereits die Bestnote
war ein gewandter Verhandlungspartnergut (2)war stets ein überzeugender und versierter Verhandlungspartner
war im Verhandeln durchaus geschicktbefriedigend (3)war ein gewandter Verhandlungspartner
war im Verhandeln im Allgemeinen geschicktausreichend (4)war im Verhandeln durchaus geschickt
arbeitete immer außergewöhnlich schnell und zügigsehr gut (1)bereits die Bestnote
arbeitete immer schnell und zügiggut (2)arbeitete stets außergewöhnlich schnell und zügig
arbeitete zügigbefriedigend (3)arbeitete immer schnell und zügig
arbeitete beständigausreichend (4)arbeitete zügig
seine Arbeitsmenge lag immer weit über unseren Erwartungensehr gut (1)bereits die Bestnote
seine Arbeitsmenge lag immer über unseren Erwartungengut (2)lag immer weit über unseren Erwartungen
seine Arbeitsmenge entsprach unseren Erwartungenbefriedigend (3)lag immer über unseren Erwartungen
seine Arbeitsmenge entsprach im Allgemeinen unseren Erwartungenausreichend (4)entsprach unseren Erwartungen
das persönliche Verhalten war immer absolut vorbildlich und er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen sehr geschätztsehr gut (1)bereits die Bestnote
das persönliche Verhalten war stets einwandfrei und er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen geschätztgut (2)war immer absolut vorbildlich und wurde sehr geschätzt
das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden einwandfreibefriedigend (3)das persönliche Verhalten war stets einwandfrei und er wurde geschätzt
das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden höflich und korrekt, und sein Führungsverhalten gab uns keinen Anlass zu Beanstandungenausreichend (4)das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden einwandfrei
sein Verhalten war im Wesentlichen einwandfreimangelhaft (5)sein Verhalten war stets einwandfrei
das Verhalten war gegenüber Kollegen und Kunden einwandfrei (Vorgesetzte fehlen)mangelhaft (5)Nennung aller drei Gruppen: Vorgesetzte, Kollegen, Kunden
war stets in besonderem Maße verantwortungsbereit und genoss unser absolutes Vertrauensehr gut (1)bereits die Bestnote
war jederzeit verantwortungsbereit und sehr vertrauenswürdiggut (2)war stets in besonderem Maße verantwortungsbereit

Tipp: Vergleichen Sie nicht Sätze, sondern Steigerungen. Streichen Sie im Kopf jedes „stets", „immer", „vollste" und zählen Sie, was übrig bleibt.

Die Geheimcodes, die nach Lob klingen

ver.di listet unter „Welche Geheimcodes gibt es im Arbeitszeugnis?" Sätze, die das Gegenteil dessen bedeuten, was sie sagen, und nennt sie „unerlaubte verschlüsselte Botschaften". Die folgenden zehn Paare sind wörtlich von dort übernommen.

ZeugnistextVerschlüsselte Botschaft laut ver.di
„Er verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen."„Er verfügt nur über geringes Fachwissen und versucht das durch eine gewisse Lautstärke oder mit Prahlerei zu verbergen."
„Sie trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei."„Sie neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss im Dienst."
„Er hat alle Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma gelöst."„Er beging Diebstahl und/oder andere schwere Unkorrektheiten."
„Sie engagiert sich innerhalb und außerhalb des Betriebes für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen."„Sie ist im Betriebsrat."
„Er engagiert sich innerhalb und außerhalb des Betriebes für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer."„Er engagiert sich in der Gewerkschaft."
„Sie hatte Gelegenheit, sich das notwendige Wissen anzueignen."„Sie nutzte die Gelegenheit aber nicht."
„Er arbeitete mit größter Genauigkeit."„Er war ein langsamer, Erbsen zählender und unflexibler Pedant."
„Im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten zeigte sie durchweg eine erfrischende Offenheit."„Sie war frech und hat sich nichts sagen lassen."
„Er erledigte seine Aufgaben mit der ihm eigenen Sorgfalt."„Chaos war bei ihm Normalität."
„Sie delegierte ihre Aufgaben mit vollem Erfolg."„Sie war eine Drückebergerin."

Wichtig bei Zeile 7: „Er arbeitete mit größter Genauigkeit" ist nur dann ein Code, wenn der Satz allein steht, ohne „stets" und ohne die übrigen Leistungsmerkmale. In einem sonst durchgängig sehr guten Zeugnis ist derselbe Satz eine Bestnote. Der Kontext entscheidet, nicht das einzelne Wort.

Auszug 2: Leistungsbeurteilung Note 1, vollständig

Ausgearbeitetes Beispiel: Zeugnisauszug, Leistungsbeurteilung Note 1, IT-Systemadministratorin, 120 Wörter

Zeugnisauszug, Leistungsbeurteilung Note 1, IT-Systemadministratorin (120 Wörter)

Frau Aline Kremer zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer und ergriff stets selbstständig die Initiative; sie führte alle erforderlichen Maßnahmen entschlossen durch.

Sie hatte umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse, die sie bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetzte, und beherrschte ihr Arbeitsgebiet umfassend und souverän.

Frau Kremer arbeitete stets mit größter Genauigkeit und äußerster Sorgfalt. Sie war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusst und arbeitete immer außergewöhnlich schnell und zügig.

Ihre Arbeitsmenge lag immer weit über unseren Erwartungen. Sie arbeitete stets besonders überlegt und wirksam und erzielte stets optimale Lösungen. Die von ihr konzipierte Neustrukturierung der Berechtigungsverwaltung wurde im Mai 2025 für alle 340 Arbeitsplätze übernommen.

Frau Kremer hat den ihr übertragenen Aufgabenbereich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit abgedeckt.

Worauf die Auswahl achtet

Auszug 3: dasselbe Zeugnis, heimlich auf Note 4 gesenkt

Ausgearbeitetes Beispiel: Zeugnisauszug, dieselbe Stelle als Note 4 formuliert, 103 Wörter

Zeugnisauszug, dieselbe Stelle als Note 4 formuliert (103 Wörter)

Frau Aline Kremer zeigte bei entsprechendem Anstoß Fleiß und Eifer und führte unter Anleitung die übertragenen Aufgaben aus.

Sie verfügte über ein solides Grundwissen in ihrem Arbeitsgebiet und beherrschte im Allgemeinen die Anforderungen ihres Arbeitsgebiets.

Frau Kremer arbeitete im Allgemeinen sorgfältig und genau; die Ausführung ihrer Arbeit entsprach im Allgemeinen unserem Qualitätsstandard. Sie bewältigte die entscheidenden Arbeiten zuverlässig.

Ihre Arbeitsmenge entsprach im Allgemeinen unseren Erwartungen. Sie arbeitete im Allgemeinen gleichmäßig.

Frau Kremer hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt.

Ihr Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden höflich und korrekt, und ihr Führungsverhalten gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen.

Worauf die Auswahl achtet

Auszug 4: Schlussformel in vier Stärken

Ausgearbeitetes Beispiel: Zeugnisauszug, Schlussformeln von sehr gut bis mangelhaft, 147 Wörter

Zeugnisauszug, Schlussformeln von sehr gut bis mangelhaft (147 Wörter)

Bei sehr guter Gesamtbewertung

Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Wir bedauern seine Entscheidung sehr, da wir mit ihm einen wertvollen Mitarbeiter verlieren. Für seine Mitarbeit in unserem Betrieb bedanken wir uns und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.

Bei guter Gesamtbewertung

Herr Vogel verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern seine Entscheidung, danken ihm für seine Mitarbeit in unserem Unternehmen und wünschen ihm weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute.

Bei durchschnittlicher Gesamtbewertung

Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Für seine Mitarbeit danken wir ihm und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Bei ausreichender Gesamtbewertung

Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Bei mangelhafter Gesamtbewertung

Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Für die Zukunft wünschen wir ihm viel Glück.

Worauf die Auswahl achtet

Was das Bundesarbeitsgericht zur Schlussformel sagt

Der Leitsatz der Entscheidung 9 AZR 146/21 vom 25. Januar 2022 lautet: „Schlussformulierung eines Arbeitszeugnisses - kein Anspruch auf Dankes- und Wunschformel".

Zitat: „Aufgrund der erheblichen Beeinträchtigung der negativen Meinungsfreiheit des Arbeitgebers und der geringen Relevanz bei der Realisierung des Zeugniszwecks besteht weder ein Anspruch des Arbeitnehmers auf ein Arbeitszeugnis mit entsprechender Schlussformel noch eine Verpflichtung des Arbeitgebers, ein solches zu erteilen." (BAG, 9 AZR 146/21)

Das Gericht begründet das auch damit, dass die Schlussformel inhaltlich nichts Neues sagt: „Der materielle Aussagegehalt von auf die Gesamtnote abgestimmten Schlusssätzen beschränkt sich allerdings im Wesentlichen darauf, dass der Arbeitgeber die bereits abgegebene Leistungs- und Verhaltensbeurteilung mit anderen Worten nochmals formelhaft wiederholt".

Für Sie heißt das zweierlei. Eine fehlende Schlussformel ist ärgerlich, aber nicht einklagbar. Eine vorhandene, aber zur Gesamtnote widersprüchliche Schlussformel ist dagegen ein Ansatzpunkt, weil ein Zeugnis nach § 109 Abs. 2 GewO „klar und verständlich formuliert sein" muss.

Auszug 5: der Berichtigungsantrag an den Arbeitgeber

Ausgearbeitetes Beispiel: Vollständiges Anschreiben, Bitte um Berichtigung des Arbeitszeugnisses, 227 Wörter

Vollständiges Anschreiben, Bitte um Berichtigung des Arbeitszeugnisses (227 Wörter)

Aline Kremer Rosenweg 11 54290 Trier

Merkur Systemhaus GmbH Personalabteilung Frau Dr. Petra Ohlsen Gewerbepark Nord 3 54294 Trier

Trier, 12. September 2026

Bitte um Berichtigung meines Arbeitszeugnisses vom 31. August 2026

Sehr geehrte Frau Dr. Ohlsen,

vielen Dank für mein Arbeitszeugnis vom 31. August 2026. Drei Formulierungen geben meine Leistung nach meiner Einschätzung nicht zutreffend wieder, und ich bitte Sie um eine Korrektur.

Erstens die Gesamtbeurteilung. Im Zeugnis steht „hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt". Meine Zielvereinbarungen für 2024 und 2025 wurden jeweils vollständig erreicht, die Jahresgespräche vom 12. Februar 2025 und vom 9. Februar 2026 endeten mit der Bewertung „übertrifft die Anforderungen". Ich bitte daher um die Formulierung „hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt".

Zweitens die Arbeitsbefähigung. Statt „verfügte über ein solides Grundwissen in ihrem Arbeitsgebiet" bitte ich um „verfügte über gründliche, abgesicherte Fachkenntnisse und setzte sie bei schwierigen Aufgaben sicher ein". Grundlage ist die von mir verantwortete Neustrukturierung der Berechtigungsverwaltung für 340 Arbeitsplätze, abgeschlossen im Mai 2025.

Drittens fehlt in der Verhaltensbeurteilung die Nennung der Kundinnen und Kunden, obwohl der Anwenderservice zu meinen Hauptaufgaben gehörte. Ich bitte um die Ergänzung „gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden".

Das berichtigte Zeugnis bitte ich unter dem Datum des ursprünglichen Zeugnisses auszustellen. Für eine Rückmeldung bis zum 30. September 2026 wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Aline Kremer

Meinen Lebenslauf auf diese Stelle zuschneiden

Worauf die Auswahl achtet

Bevor Sie das Zeugnis weglegen

Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Gesamtbeurteilung, Verhaltensbeurteilung, Schlussformel, dann die einzelnen Leistungsmerkmale. Danach entscheiden Sie, ob eine Berichtigung sich lohnt. Die vollständigen Musterzeugnisse nach Noten stehen in Qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Checkliste für die Bewerbungsmappe in Arbeitszeugnis prüfen vor der Bewerbung. Wer noch angestellt ist und wechseln will, fordert vorher ein Zwischenzeugnis an, solange die Vorgesetzten sich noch erinnern.

Zwei Dinge stehen bewusst nicht auf dieser Seite: eine Quote, wie viele Zeugnisse falsch benotet sind, und eine Prozesszahl. ver.di nennt „Über 30.000 Prozesse" jährlich, führt dafür aber keine Quelle an, und wir geben die Zahl deshalb nur als Angabe der Gewerkschaft weiter.

Häufige Fragen

Was sind gute Formulierungen im Arbeitszeugnis?

Gut ist jede Formulierung mit zwei oder drei Steigerungen: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" (sehr gut), „stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (gut). Dazu kommen „zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer" und „das persönliche Verhalten war immer absolut vorbildlich". Alle Beispiele stehen in der Tabelle oben, jeweils mit der Note, die sie codieren.

Welche Geheimcodes gibt es im Arbeitszeugnis?

Sätze, die lobend klingen und das Gegenteil meinen: „zeigt ein gesundes Selbstvertrauen" (geringes Fachwissen), „trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" (Alkohol im Dienst), „hat alle Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma gelöst" (Unkorrektheiten). Zehn davon stehen oben im Wortlaut von ver.di. § 109 Abs. 2 GewO verbietet solche Codes ausdrücklich.

Welche Formulierungen sind im Arbeitszeugnis üblich?

Üblich ist der Aufbau aus Überschrift, Eingangsformel, Aufgabenbeschreibung, Leistungsbeurteilung, Verhaltensbeurteilung und Schlussabsatz, so wie ihn das IHK-Merkblatt auflistet. In der Leistungsbeurteilung werden regelmäßig Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise und Arbeitserfolg bewertet, jeweils mit den Steigerungsformeln aus der Tabelle oben.

Welche Sätze sind negativ im Arbeitszeugnis?

Negativ ist alles mit „im Allgemeinen", „im Großen und Ganzen", „größtenteils", „bemüht" oder „gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen". Ebenso negativ ist eine Auslassung: fehlt in der Verhaltensbeurteilung eine Gruppe, etwa die Vorgesetzten, deutet das laut ver.di auf Probleme mit genau dieser Gruppe hin.

Kann ich eine bestimmte Formulierung verlangen?

Sie können sie vorschlagen und begründen, erzwingen können Sie sie nicht. Das IHK-Merkblatt stellt fest, der Arbeitgeber sei „weder dazu verpflichtet, einen schlechten AN besser zu beurteilen, als er tatsächlich war, noch dazu, Formulierungsvorschläge oder -wünsche des AN zu übernehmen, wenn diese nicht rechtlich geboten sind". Belegen Sie deshalb jede gewünschte Änderung mit einer Tatsache.

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