Formulierungen Arbeitszeugnis: 45 Sätze und ihre Note
By Mustafa Tarabya, founder of CVBooster · Published · Updated
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Die Formulierungen im Arbeitszeugnis tragen eine Schulnote, und Sie erkennen sie an den Steigerungen: drei Steigerungen bedeuten sehr gut, zwei gut, eine befriedigend, keine ausreichend. Die Note steckt in Wörtern wie „stets", „vollste" und „im Allgemeinen", nicht im freundlichen Ton des Textes. Die Beispielsätze auf dieser Seite sind wörtlich zitiert aus dem ABC der Zeugnissprache von ver.di und dem IHK-Merkblatt „Arbeitszeugnis" (Stand Februar 2025), gelesen im September 2026. Unten stehen 45 Sätze mit ihrer Note und dem Ersatzsatz, den Sie verlangen, dazu fünf vollständige Zeugnisauszüge. Geschrieben von Mustafa Tarabya, der für sein eigenes Unternehmen eingestellt, jede Bewerbung selbst gelesen hat und heute die CVBooster-Ratgeber schreibt.
Die Regel, nach der alles funktioniert
ver.di formuliert die Faustformel in einem Satz:
Zitat: „Als Faustformel für die Zufriedenheitsskala gilt: dreifache Steigerungen bedeuten sehr gute Leistungen, zweifache Leistungen entsprechen guten Leistungen, Auslassungen sind negativ." (ver.di)
Zwei Steigerungsträger sind dabei entscheidend: „stets", „immer" oder „jederzeit" auf der einen Seite, „volle" oder „vollste" auf der anderen. ver.di erklärt den Trick mit dem grammatisch falschen Superlativ: „‚zu unserer vollsten Zufriedenheit' (2 Steigerungen, da ‚vollste' als weitere Steigerung von ‚volle' gilt)".
Die Mitte der Skala setzt das IHK-Merkblatt: „Die Bewertung ‚zur vollen Zufriedenheit' gilt dabei als durchschnittliche Note, vergleichbar der Schulnote ‚befriedigend'."
Und die rechtliche Handhabe gegen versteckte Botschaften steht in § 109 Abs. 2 GewO: „Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen."
Auszug 1: die Gesamtbeurteilung in vier Noten

Zeugnisauszug, Gesamtbeurteilung Note 1 bis Note 4 im Vergleich (118 Wörter)
Note 1 (sehr gut)
Frau Özdemir hat den ihr übertragenen Aufgabenbereich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit abgedeckt. Ihre Leistungen waren stets sehr gut.
Note 2 (gut)
Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets gut.
Note 3 (befriedigend)
Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets befriedigend.
Note 4 (ausreichend)
Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt. Ihre Leistungen waren stets ausreichend.
Note 5 (mangelhaft)
Frau Özdemir hat die ihr übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erfüllt.
Note 6 (ungenügend)
Frau Özdemir hat sich bemüht, die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
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Worauf die Auswahl achtet
- Alle sechs Sätze sind wörtlich aus dem ver.di-Abschnitt „Zusammenfassende Gesamtbeurteilung" übernommen. Sie unterscheiden sich in vier Wörtern und in sechs Noten.
- „abgedeckt" statt „erfüllt" im Satz zur Note 1 ist kein Stilmittel. Es gehört zur Formel, die ver.di für sehr gute Leistungen nennt.
- „im Großen und Ganzen" ist der Marker für Note 5. ver.di: „Mangelhaft: ‚größtenteils erfüllt' - Die Einschränkung ‚größtenteils' weist auf die mangelhafte Leistung hin".
- „hat sich bemüht" ist der bekannteste Satz der Zeugnissprache und bedeutet Note 6. Bemühen ist kein Ergebnis.
- Prüfen Sie diesen einen Satz zuerst. Er steht meist direkt vor der Verhaltensbeurteilung und entscheidet, wie der Rest gelesen wird.
Die Formulierungstabelle: 45 Sätze, ihre Note, Ihr Ersatz
Alle Sätze in der Spalte „Formulierung im Zeugnis" stammen aus dem ver.di-ABC der Zeugnissprache oder aus dem IHK-Merkblatt. Die dritte Spalte ist der Satz, den Sie beim Arbeitgeber anfordern, wenn die Note falsch ist.
| Formulierung im Zeugnis | Codierte Note | Formulierung, die Sie stattdessen verlangen |
|---|---|---|
| stets zu unserer vollsten Zufriedenheit | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| zu unserer vollsten Zufriedenheit | gut (2) | stets zu unserer vollsten Zufriedenheit |
| stets zu unserer vollen Zufriedenheit | gut (2) | stets zu unserer vollsten Zufriedenheit |
| zu unserer vollen Zufriedenheit | befriedigend (3) | stets zu unserer vollen Zufriedenheit |
| stets zu unserer Zufriedenheit | befriedigend (3) | stets zu unserer vollen Zufriedenheit |
| zu unserer Zufriedenheit | ausreichend (4) | zu unserer vollen Zufriedenheit |
| im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit | mangelhaft (5) | zu unserer vollen Zufriedenheit |
| hat sich bemüht, die Aufgaben zu erledigen | ungenügend (6) | hat die Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt |
| zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifer | gut (2) | zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer |
| zeigte Initiative, Fleiß und Eifer | befriedigend (3) | zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifer |
| zeigte bei entsprechendem Anstoß Fleiß und Eifer | ausreichend (4) | zeigte stets Initiative, Fleiß und Eifer |
| ergriff stets selbstständig die Initiative und führte alle erforderlichen Maßnahmen entschlossen durch | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| erfüllte die übertragenen Aufgaben selbstständig | befriedigend (3) | ergriff stets selbstständig die Initiative |
| führte unter Anleitung die übertragenen Aufgaben aus | ausreichend (4) | erfüllte die übertragenen Aufgaben selbstständig |
| hat umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse, die er bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetzte | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| verfügt über ein gutes, fundiertes Fachwissen und löst schwierige Aufgaben jederzeit | gut (2) | umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse |
| verfügte über solide und brauchbare Fachkenntnisse | befriedigend (3) | verfügte über gründliche, abgesicherte Fachkenntnisse |
| verfügte über ein solides Grundwissen in seinem Arbeitsgebiet | ausreichend (4) | verfügte über solide und brauchbare Fachkenntnisse |
| beherrschte im Allgemeinen die Anforderungen seines Arbeitsgebiets | ausreichend (4) | beherrschte sein Arbeitsgebiet umfassend und souverän |
| arbeitete stets mit größter Genauigkeit und äußerster Sorgfalt | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| arbeitete stets gründlich und mit großer Sorgfalt | gut (2) | arbeitete stets äußerst gründlich und mit großer Sorgfalt |
| arbeitete sorgfältig und genau | befriedigend (3) | arbeitete stets gründlich und mit großer Sorgfalt |
| arbeitete im Allgemeinen sorgfältig und genau | ausreichend (4) | arbeitete sorgfältig und genau |
| die Ausführung seiner Arbeit entsprach im Allgemeinen unserem Qualitätsstandard | ausreichend (4) | die Ausführung seiner Arbeit entsprach unserem Qualitätsstandard |
| war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusst | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| war stets ein pflichtbewusster und vertrauenswürdiger Mitarbeiter | gut (2) | war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusst |
| war zuverlässig | befriedigend (3) | war immer zuverlässig |
| war im Allgemeinen ein zuverlässiger Mitarbeiter | ausreichend (4) | war zuverlässig |
| war stets ein überzeugender und versierter Verhandlungspartner | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| war ein gewandter Verhandlungspartner | gut (2) | war stets ein überzeugender und versierter Verhandlungspartner |
| war im Verhandeln durchaus geschickt | befriedigend (3) | war ein gewandter Verhandlungspartner |
| war im Verhandeln im Allgemeinen geschickt | ausreichend (4) | war im Verhandeln durchaus geschickt |
| arbeitete immer außergewöhnlich schnell und zügig | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| arbeitete immer schnell und zügig | gut (2) | arbeitete stets außergewöhnlich schnell und zügig |
| arbeitete zügig | befriedigend (3) | arbeitete immer schnell und zügig |
| arbeitete beständig | ausreichend (4) | arbeitete zügig |
| seine Arbeitsmenge lag immer weit über unseren Erwartungen | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| seine Arbeitsmenge lag immer über unseren Erwartungen | gut (2) | lag immer weit über unseren Erwartungen |
| seine Arbeitsmenge entsprach unseren Erwartungen | befriedigend (3) | lag immer über unseren Erwartungen |
| seine Arbeitsmenge entsprach im Allgemeinen unseren Erwartungen | ausreichend (4) | entsprach unseren Erwartungen |
| das persönliche Verhalten war immer absolut vorbildlich und er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen sehr geschätzt | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| das persönliche Verhalten war stets einwandfrei und er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen geschätzt | gut (2) | war immer absolut vorbildlich und wurde sehr geschätzt |
| das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden einwandfrei | befriedigend (3) | das persönliche Verhalten war stets einwandfrei und er wurde geschätzt |
| das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden höflich und korrekt, und sein Führungsverhalten gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen | ausreichend (4) | das Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden einwandfrei |
| sein Verhalten war im Wesentlichen einwandfrei | mangelhaft (5) | sein Verhalten war stets einwandfrei |
| das Verhalten war gegenüber Kollegen und Kunden einwandfrei (Vorgesetzte fehlen) | mangelhaft (5) | Nennung aller drei Gruppen: Vorgesetzte, Kollegen, Kunden |
| war stets in besonderem Maße verantwortungsbereit und genoss unser absolutes Vertrauen | sehr gut (1) | bereits die Bestnote |
| war jederzeit verantwortungsbereit und sehr vertrauenswürdig | gut (2) | war stets in besonderem Maße verantwortungsbereit |
Tipp: Vergleichen Sie nicht Sätze, sondern Steigerungen. Streichen Sie im Kopf jedes „stets", „immer", „vollste" und zählen Sie, was übrig bleibt.
Die Geheimcodes, die nach Lob klingen
ver.di listet unter „Welche Geheimcodes gibt es im Arbeitszeugnis?" Sätze, die das Gegenteil dessen bedeuten, was sie sagen, und nennt sie „unerlaubte verschlüsselte Botschaften". Die folgenden zehn Paare sind wörtlich von dort übernommen.
| Zeugnistext | Verschlüsselte Botschaft laut ver.di |
|---|---|
| „Er verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen." | „Er verfügt nur über geringes Fachwissen und versucht das durch eine gewisse Lautstärke oder mit Prahlerei zu verbergen." |
| „Sie trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei." | „Sie neigt zu übertriebenem Alkoholgenuss im Dienst." |
| „Er hat alle Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma gelöst." | „Er beging Diebstahl und/oder andere schwere Unkorrektheiten." |
| „Sie engagiert sich innerhalb und außerhalb des Betriebes für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen." | „Sie ist im Betriebsrat." |
| „Er engagiert sich innerhalb und außerhalb des Betriebes für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." | „Er engagiert sich in der Gewerkschaft." |
| „Sie hatte Gelegenheit, sich das notwendige Wissen anzueignen." | „Sie nutzte die Gelegenheit aber nicht." |
| „Er arbeitete mit größter Genauigkeit." | „Er war ein langsamer, Erbsen zählender und unflexibler Pedant." |
| „Im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten zeigte sie durchweg eine erfrischende Offenheit." | „Sie war frech und hat sich nichts sagen lassen." |
| „Er erledigte seine Aufgaben mit der ihm eigenen Sorgfalt." | „Chaos war bei ihm Normalität." |
| „Sie delegierte ihre Aufgaben mit vollem Erfolg." | „Sie war eine Drückebergerin." |
Wichtig bei Zeile 7: „Er arbeitete mit größter Genauigkeit" ist nur dann ein Code, wenn der Satz allein steht, ohne „stets" und ohne die übrigen Leistungsmerkmale. In einem sonst durchgängig sehr guten Zeugnis ist derselbe Satz eine Bestnote. Der Kontext entscheidet, nicht das einzelne Wort.
Auszug 2: Leistungsbeurteilung Note 1, vollständig

Zeugnisauszug, Leistungsbeurteilung Note 1, IT-Systemadministratorin (120 Wörter)
Frau Aline Kremer zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer und ergriff stets selbstständig die Initiative; sie führte alle erforderlichen Maßnahmen entschlossen durch.
Sie hatte umfassende, fundierte und vielseitige Fachkenntnisse, die sie bei schwierigen Aufgaben sehr sicher einsetzte, und beherrschte ihr Arbeitsgebiet umfassend und souverän.
Frau Kremer arbeitete stets mit größter Genauigkeit und äußerster Sorgfalt. Sie war stets äußerst zuverlässig und immer pflichtbewusst und arbeitete immer außergewöhnlich schnell und zügig.
Ihre Arbeitsmenge lag immer weit über unseren Erwartungen. Sie arbeitete stets besonders überlegt und wirksam und erzielte stets optimale Lösungen. Die von ihr konzipierte Neustrukturierung der Berechtigungsverwaltung wurde im Mai 2025 für alle 340 Arbeitsplätze übernommen.
Frau Kremer hat den ihr übertragenen Aufgabenbereich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit abgedeckt.
Worauf die Auswahl achtet
- Fünf Leistungsmerkmale, fünf Bestnoten, in der Reihenfolge des IHK-Merkblatts: Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, Gesamtbeurteilung.
- Ein Satz trägt eine echte Zahl. 340 Arbeitsplätze, Mai 2025. Ohne diesen Satz wäre der Absatz eine Aneinanderreihung von Formeln.
- Kein Merkmal fehlt. ver.di warnt: „Bleiben wichtige berufsspezifische Eigenschaften unerwähnt, dann deutet das auf ein Fehlverhalten hin."
- Die Gesamtbeurteilung passt zu den Einzelnoten. Ein Widerspruch zwischen beiden ist der häufigste angreifbare Fehler.
Auszug 3: dasselbe Zeugnis, heimlich auf Note 4 gesenkt

Zeugnisauszug, dieselbe Stelle als Note 4 formuliert (103 Wörter)
Frau Aline Kremer zeigte bei entsprechendem Anstoß Fleiß und Eifer und führte unter Anleitung die übertragenen Aufgaben aus.
Sie verfügte über ein solides Grundwissen in ihrem Arbeitsgebiet und beherrschte im Allgemeinen die Anforderungen ihres Arbeitsgebiets.
Frau Kremer arbeitete im Allgemeinen sorgfältig und genau; die Ausführung ihrer Arbeit entsprach im Allgemeinen unserem Qualitätsstandard. Sie bewältigte die entscheidenden Arbeiten zuverlässig.
Ihre Arbeitsmenge entsprach im Allgemeinen unseren Erwartungen. Sie arbeitete im Allgemeinen gleichmäßig.
Frau Kremer hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt.
Ihr Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden höflich und korrekt, und ihr Führungsverhalten gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen.
Worauf die Auswahl achtet
- Es ist dieselbe Person und dieselbe Stelle. Der Unterschied liegt ausschließlich in den Steigerungen.
- „im Allgemeinen" steht fünfmal. Das ist kein Stil, das ist ein System.
- Der konkrete Erfolg ist verschwunden. Wer ein Zeugnis prüft, sucht zuerst nach dem Satz mit einer Zahl darin. Fehlt er, fehlt der Beleg.
- „bewältigte die entscheidenden Arbeiten zuverlässig" klingt gut und ist ein Ausreichend. Das Wort „entscheidenden" schränkt ein: die anderen Arbeiten offenbar nicht.
- Die Verhaltensformel ist die schwächste, die noch freundlich klingt. „gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen" ist ein doppeltes Negativ, kein Lob.
Auszug 4: Schlussformel in vier Stärken

Zeugnisauszug, Schlussformeln von sehr gut bis mangelhaft (147 Wörter)
Bei sehr guter Gesamtbewertung
Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Wir bedauern seine Entscheidung sehr, da wir mit ihm einen wertvollen Mitarbeiter verlieren. Für seine Mitarbeit in unserem Betrieb bedanken wir uns und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.
Bei guter Gesamtbewertung
Herr Vogel verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern seine Entscheidung, danken ihm für seine Mitarbeit in unserem Unternehmen und wünschen ihm weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute.
Bei durchschnittlicher Gesamtbewertung
Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Für seine Mitarbeit danken wir ihm und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.
Bei ausreichender Gesamtbewertung
Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.
Bei mangelhafter Gesamtbewertung
Herr Vogel scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Betrieb aus. Für die Zukunft wünschen wir ihm viel Glück.
Worauf die Auswahl achtet
- Vier Bausteine entscheiden: Beendigungsinitiative, Dank, Bedauern, Zukunftswünsche. ver.di: „Bleibt ein Punkt unerwähnt, so mindert das den Wert des Zeugnisses."
- „viel Glück" statt „viel Erfolg" ist die Abwertung. Glück braucht, wer es nicht kann.
- Das Bedauern verschwindet zuerst, dann der Dank, dann bleibt nur der Wunsch.
- Erzwingen können Sie keinen dieser Sätze. Das Bundesarbeitsgericht hat am 25. Januar 2022 entschieden, Aktenzeichen 9 AZR 146/21, dass es keinen Anspruch auf eine Dankes- und Wunschformel gibt.
Was das Bundesarbeitsgericht zur Schlussformel sagt
Der Leitsatz der Entscheidung 9 AZR 146/21 vom 25. Januar 2022 lautet: „Schlussformulierung eines Arbeitszeugnisses - kein Anspruch auf Dankes- und Wunschformel".
Zitat: „Aufgrund der erheblichen Beeinträchtigung der negativen Meinungsfreiheit des Arbeitgebers und der geringen Relevanz bei der Realisierung des Zeugniszwecks besteht weder ein Anspruch des Arbeitnehmers auf ein Arbeitszeugnis mit entsprechender Schlussformel noch eine Verpflichtung des Arbeitgebers, ein solches zu erteilen." (BAG, 9 AZR 146/21)
Das Gericht begründet das auch damit, dass die Schlussformel inhaltlich nichts Neues sagt: „Der materielle Aussagegehalt von auf die Gesamtnote abgestimmten Schlusssätzen beschränkt sich allerdings im Wesentlichen darauf, dass der Arbeitgeber die bereits abgegebene Leistungs- und Verhaltensbeurteilung mit anderen Worten nochmals formelhaft wiederholt".
Für Sie heißt das zweierlei. Eine fehlende Schlussformel ist ärgerlich, aber nicht einklagbar. Eine vorhandene, aber zur Gesamtnote widersprüchliche Schlussformel ist dagegen ein Ansatzpunkt, weil ein Zeugnis nach § 109 Abs. 2 GewO „klar und verständlich formuliert sein" muss.
Auszug 5: der Berichtigungsantrag an den Arbeitgeber

Vollständiges Anschreiben, Bitte um Berichtigung des Arbeitszeugnisses (227 Wörter)
Aline Kremer Rosenweg 11 54290 Trier
Merkur Systemhaus GmbH Personalabteilung Frau Dr. Petra Ohlsen Gewerbepark Nord 3 54294 Trier
Trier, 12. September 2026
Bitte um Berichtigung meines Arbeitszeugnisses vom 31. August 2026
Sehr geehrte Frau Dr. Ohlsen,
vielen Dank für mein Arbeitszeugnis vom 31. August 2026. Drei Formulierungen geben meine Leistung nach meiner Einschätzung nicht zutreffend wieder, und ich bitte Sie um eine Korrektur.
Erstens die Gesamtbeurteilung. Im Zeugnis steht „hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt". Meine Zielvereinbarungen für 2024 und 2025 wurden jeweils vollständig erreicht, die Jahresgespräche vom 12. Februar 2025 und vom 9. Februar 2026 endeten mit der Bewertung „übertrifft die Anforderungen". Ich bitte daher um die Formulierung „hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt".
Zweitens die Arbeitsbefähigung. Statt „verfügte über ein solides Grundwissen in ihrem Arbeitsgebiet" bitte ich um „verfügte über gründliche, abgesicherte Fachkenntnisse und setzte sie bei schwierigen Aufgaben sicher ein". Grundlage ist die von mir verantwortete Neustrukturierung der Berechtigungsverwaltung für 340 Arbeitsplätze, abgeschlossen im Mai 2025.
Drittens fehlt in der Verhaltensbeurteilung die Nennung der Kundinnen und Kunden, obwohl der Anwenderservice zu meinen Hauptaufgaben gehörte. Ich bitte um die Ergänzung „gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden".
Das berichtigte Zeugnis bitte ich unter dem Datum des ursprünglichen Zeugnisses auszustellen. Für eine Rückmeldung bis zum 30. September 2026 wäre ich Ihnen dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
Aline Kremer
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Worauf die Auswahl achtet
- Jede Bitte nennt den alten Satz, den neuen Satz und den Beleg. Das IHK-Merkblatt beschreibt die Beweislast genau so: Wer eine überdurchschnittliche Bewertung will, muss „die hierfür notwendigen Tatsachen darlegen und beweisen".
- Das alte Ausstellungsdatum wird ausdrücklich verlangt. IHK-Merkblatt: „Ist ein Korrekturverlangen berechtigt, ist das neue Zeugnis unter dem Datum des abgeänderten Zeugnisses zu erteilen."
- Der Ton bleibt sachlich. Ein Berichtigungsantrag ist kein Beschwerdebrief, sondern eine Liste aus drei Zeilen mit drei Belegen.
- Drei Punkte, nicht zwölf. Wer alles angreift, bekommt nichts. Nehmen Sie die Gesamtnote, ein Leistungsmerkmal und eine Auslassung.
Bevor Sie das Zeugnis weglegen
Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Gesamtbeurteilung, Verhaltensbeurteilung, Schlussformel, dann die einzelnen Leistungsmerkmale. Danach entscheiden Sie, ob eine Berichtigung sich lohnt. Die vollständigen Musterzeugnisse nach Noten stehen in Qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Checkliste für die Bewerbungsmappe in Arbeitszeugnis prüfen vor der Bewerbung. Wer noch angestellt ist und wechseln will, fordert vorher ein Zwischenzeugnis an, solange die Vorgesetzten sich noch erinnern.
Zwei Dinge stehen bewusst nicht auf dieser Seite: eine Quote, wie viele Zeugnisse falsch benotet sind, und eine Prozesszahl. ver.di nennt „Über 30.000 Prozesse" jährlich, führt dafür aber keine Quelle an, und wir geben die Zahl deshalb nur als Angabe der Gewerkschaft weiter.
Häufige Fragen
Was sind gute Formulierungen im Arbeitszeugnis?
Gut ist jede Formulierung mit zwei oder drei Steigerungen: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" (sehr gut), „stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (gut). Dazu kommen „zeigte stets große Initiative, großen Fleiß und Eifer" und „das persönliche Verhalten war immer absolut vorbildlich". Alle Beispiele stehen in der Tabelle oben, jeweils mit der Note, die sie codieren.
Welche Geheimcodes gibt es im Arbeitszeugnis?
Sätze, die lobend klingen und das Gegenteil meinen: „zeigt ein gesundes Selbstvertrauen" (geringes Fachwissen), „trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" (Alkohol im Dienst), „hat alle Aufgaben in seinem und im Interesse der Firma gelöst" (Unkorrektheiten). Zehn davon stehen oben im Wortlaut von ver.di. § 109 Abs. 2 GewO verbietet solche Codes ausdrücklich.
Welche Formulierungen sind im Arbeitszeugnis üblich?
Üblich ist der Aufbau aus Überschrift, Eingangsformel, Aufgabenbeschreibung, Leistungsbeurteilung, Verhaltensbeurteilung und Schlussabsatz, so wie ihn das IHK-Merkblatt auflistet. In der Leistungsbeurteilung werden regelmäßig Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise und Arbeitserfolg bewertet, jeweils mit den Steigerungsformeln aus der Tabelle oben.
Welche Sätze sind negativ im Arbeitszeugnis?
Negativ ist alles mit „im Allgemeinen", „im Großen und Ganzen", „größtenteils", „bemüht" oder „gab uns keinen Anlass zu Beanstandungen". Ebenso negativ ist eine Auslassung: fehlt in der Verhaltensbeurteilung eine Gruppe, etwa die Vorgesetzten, deutet das laut ver.di auf Probleme mit genau dieser Gruppe hin.
Kann ich eine bestimmte Formulierung verlangen?
Sie können sie vorschlagen und begründen, erzwingen können Sie sie nicht. Das IHK-Merkblatt stellt fest, der Arbeitgeber sei „weder dazu verpflichtet, einen schlechten AN besser zu beurteilen, als er tatsächlich war, noch dazu, Formulierungsvorschläge oder -wünsche des AN zu übernehmen, wenn diese nicht rechtlich geboten sind". Belegen Sie deshalb jede gewünschte Änderung mit einer Tatsache.
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