Nationalität im Lebenslauf: angeben oder weglassen?
Von Mustafa Tarabya, Gründer von CVBooster · Veröffentlicht · Aktualisiert
5 Min. Lesezeit
Die Nationalität im Lebenslauf ist freiwillig. Die Bundesagentur für Arbeit schreibt: „Die Angaben zur Familie und Staatsangehörigkeit sind freiwillig.“ Sie müssen also nichts eintragen, und kein Betrieb darf Sie allein deshalb ablehnen, weil Sie die Zeile weglassen.
Ob die Angabe trotzdem hilft, hängt von Ihrer Lage ab. Wer als Nicht-EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis braucht, spart der Personalabteilung eine Rückfrage. Wer deutscher Staatsbürger mit ausländisch klingendem Namen ist, nimmt ein mögliches Missverständnis vorweg. Unten stehen sieben komplette Blöcke für Persönliche Daten. Geschrieben von Mustafa Tarabya, der für sein eigenes Unternehmen eingestellt, jede Bewerbung selbst gelesen hat und heute die CVBooster-Ratgeber schreibt.
Muss die Nationalität in den Lebenslauf?
Nein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz erklärt sein Ziel in einem Satz: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“ Das steht in § 1 AGG. Staatsangehörigkeit und ethnische Herkunft sind nicht dasselbe, aber im Alltag der Auswahl liegen sie nah beieinander. Genau deshalb bleibt die Zeile Ihre Entscheidung.
Pflicht ist nur, was für die Stelle rechtlich nötig ist. Dazu gehört bei Nicht-EU-Bürgern der Nachweis, dass sie in Deutschland arbeiten dürfen. Den müssen Sie spätestens bei der Einstellung vorlegen, im Lebenslauf reicht ein kurzer Hinweis.
Das erste Beispiel zeigt den Standard: deutsche Staatsangehörigkeit, einfach geschrieben.

Persönliche Daten mit deutscher Staatsangehörigkeit, Bürokauffrau (22 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Julia Schneider Adresse: Musterstraße 12, 80331 München Telefon: 0151 0000000 E-Mail: julia.schneider@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 14.03.1996, Augsburg Staatsangehörigkeit: deutsch
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So schreiben Sie die Nationalität
Die Zeile heißt Staatsangehörigkeit, Staatsbürgerschaft oder Nationalität. Alle drei sind üblich. Dahinter steht ein Adjektiv in Kleinschreibung: deutsch, türkisch, polnisch, nicht der Ländername. Haben Sie zwei Staatsangehörigkeiten, nennen Sie beide, durch Komma getrennt. Die Zeile gehört in den Block Persönliche Daten, nicht in das Kurzprofil und nicht ans Ende.
Wer nichts angeben will, lässt die Zeile ganz weg. Eine leere Zeile oder den Hinweis „keine Angabe“ brauchen Sie nicht.

Persönliche Daten ohne Nationalität, Verkäufer, bewusst weggelassen (20 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Marco Rossi Adresse: Lindenallee 4, 50667 Köln Telefon: 0151 0000000 E-Mail: marco.rossi@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 02.09.1990, Köln
Nationalität bei EU-Bürgern
EU-Bürgerinnen und EU-Bürger dürfen in Deutschland ohne Aufenthaltstitel arbeiten. Die Angabe ist freiwillig, hilft aber, wenn der Name Fragen aufwirft oder Sie sich aus dem Ausland bewerben. Ein Satz zur Verfügbarkeit nimmt der Personalabteilung die Rückfrage, ob ein Umzug nötig ist.

Persönliche Daten, polnische Staatsangehörigkeit, EU-Bürgerin, Wohnort Berlin (26 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Agnieszka Nowak Adresse: Karl-Marx-Allee 20, 10178 Berlin Telefon: 0151 0000000 E-Mail: agnieszka.nowak@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 21.07.1992, Krakau Staatsangehörigkeit: polnisch (EU) Verfügbarkeit: ab sofort

Persönliche Daten, deutsche Staatsangehörigkeit bei ausländisch klingendem Namen (22 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Emre Yilmaz Adresse: Gartenweg 8, 70173 Stuttgart Telefon: 0151 0000000 E-Mail: emre.yilmaz@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 09.11.1994, Stuttgart Staatsangehörigkeit: deutsch
Nicht-EU und Aufenthaltstitel
Wer nicht aus der EU kommt, braucht für eine Beschäftigung in Deutschland in der Regel einen Aufenthaltstitel, der die Erwerbstätigkeit erlaubt. Schreiben Sie ihn knapp in die Persönlichen Daten: Art des Titels, Zusatz zur Erwerbstätigkeit und Gültigkeit. So sieht der Betrieb sofort, ob er Sie einstellen kann, und muss nicht nachfragen.
Haben Sie noch kein Visum, sondern die Einreise erst vor, schreiben Sie das ehrlich: Visum beantragt oder Einreise geplant. Täuschen Sie keinen Status vor, den Sie nicht haben, denn spätestens beim Nachweis fliegt das auf.

Persönliche Daten, indische Staatsangehörigkeit, Aufenthaltserlaubnis mit Erwerbstätigkeit (31 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Rahul Sharma Adresse: Bahnhofstraße 15, 60329 Frankfurt am Main Telefon: 0151 0000000 E-Mail: rahul.sharma@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 05.01.1991, Pune Staatsangehörigkeit: indisch Aufenthaltstitel: Aufenthaltserlaubnis, Erwerbstätigkeit gestattet, gültig bis 31.08.2028

Persönliche Daten, brasilianische Staatsangehörigkeit, Visum beantragt (46 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Carla Souza Adresse: Rua das Flores 45, 04567-000 São Paulo (Umzug nach Hamburg geplant) Telefon: +55 11 0000 0000 E-Mail: carla.souza@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 18.04.1993, São Paulo Staatsangehörigkeit: brasilianisch Aufenthaltsstatus: Visum zur Erwerbstätigkeit beantragt Verfügbarkeit: nach Erteilung, Umzug innerhalb von vier Wochen möglich
Doppelte Staatsangehörigkeit und Geflüchtete
Bei zwei Staatsangehörigkeiten nennen Sie beide, die deutsche zuerst, wenn Sie sie haben. Das zeigt, dass Sie ohne weitere Genehmigung arbeiten dürfen. Wer als Geflüchteter oder mit Duldung arbeitet, schreibt den Status, den das Papier ausweist, und die Erlaubnis zur Beschäftigung, wenn sie eingetragen ist. Die Beratungsstellen der Bundesagentur klären im Zweifel, welche Formulierung korrekt ist.

Persönliche Daten, doppelte Staatsangehörigkeit deutsch und türkisch (23 Wörter)
Persönliche Daten
Name: Elif Demir Adresse: Rosenstraße 3, 40213 Düsseldorf Telefon: 0151 0000000 E-Mail: elif.demir@anbieter.de Geburtsdatum und Geburtsort: 30.06.1995, Duisburg Staatsangehörigkeit: deutsch, türkisch
Häufige Fehler bei der Angabe
Der häufigste Fehler ist der Ländername statt des Adjektivs, also Deutschland statt deutsch. Der zweite ist eine Angabe, die nicht zum Rest passt: Wer polnisch schreibt, aber einen deutschen Aufenthaltstitel nennt, löst Fragen aus. Prüfen Sie, dass Staatsangehörigkeit, Titel und Verfügbarkeit zusammen eine klare Geschichte erzählen.
Ebenso unnötig sind Zusätze, die nichts mit der Stelle zu tun haben, etwa Religion oder Herkunft der Eltern. Sie gehören nicht in den Lebenslauf, und das Gesetz schützt Sie gerade davor, dass sie eine Rolle spielen. Halten Sie den Block kurz, vollständig und aktuell.
Was sonst in die Persönlichen Daten gehört
Name, Adresse, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum und Geburtsort bilden den Kern. Ein Foto ist, so die Bundesagentur, „kein Muss mehr“. Mehr dazu im Ratgeber Lebenslauf Foto. Wie der Abschnitt in den ganzen Lebenslauf passt, zeigt der tabellarische Lebenslauf. Wer aus dem Ausland kommt und seine Deutschkenntnisse nennen will, findet die Schreibweise unter Deutschkenntnisse im Lebenslauf.
Häufige Fragen
Muss ich meine Nationalität im Lebenslauf angeben?
Nein. Die Bundesagentur für Arbeit schreibt: „Die Angaben zur Familie und Staatsangehörigkeit sind freiwillig.“ Was Sie eintragen, entscheiden Sie. Pflicht ist nur der Nachweis der Arbeitserlaubnis bei der Einstellung, wenn Sie sie brauchen.
Heißt es Nationalität oder Staatsangehörigkeit?
Beides ist üblich, dazu Staatsbürgerschaft. Die Staatsangehörigkeit ist der rechtliche Begriff. Hinter die Zeile schreiben Sie ein kleingeschriebenes Adjektiv wie deutsch oder polnisch, nicht den Ländernamen.
Wann sollte ich sie trotzdem angeben?
Wenn Sie Nicht-EU-Bürger sind und eine Arbeitserlaubnis haben, hilft die Angabe dem Betrieb bei der Entscheidung. Auch bei deutschem Pass und ausländisch klingendem Namen nehmen Sie so ein Missverständnis vorweg. Wer sich aus dem Ausland bewirbt, sollte sie ebenfalls nennen.
Was schreibe ich bei zwei Staatsangehörigkeiten?
Beide, durch Komma getrennt, die deutsche zuerst. Ein Beispiel steht oben. Mehr ist nicht nötig, eine Erklärung zur Einbürgerung gehört nicht in den Lebenslauf.
Wie schreibe ich meinen Aufenthaltstitel?
Als eigene Zeile unter der Staatsangehörigkeit: Art des Titels, Hinweis, dass die Erwerbstätigkeit gestattet ist, und das Gültigkeitsdatum. Sind Sie noch im Visumverfahren, schreiben Sie das so. Beispiele stehen oben.
Darf ein Betrieb mich ablehnen, weil ich die Zeile weglasse?
Das Gesetz zielt darauf, Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft zu verhindern, so § 1 AGG. Eine Ablehnung nur wegen der fehlenden Zeile wäre kein guter Grund. Bei Verdacht auf Benachteiligung beraten Sie die Antidiskriminierungsstellen.
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