Ausbildung Fragen im Vorstellungsgespräch: 15 Antworten
Von Mustafa Tarabya, Gründer von CVBooster · Veröffentlicht · Aktualisiert
9 Min. Lesezeit
Im Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung wird vor allem gefragt, warum Sie diesen Beruf wollen, warum diesen Betrieb und was Ihre Schulzeit und Praktika darüber verraten. Fachwissen wird kaum geprüft, Interesse und Verlässlichkeit dagegen in fast jeder Frage. Die Fragen unten stammen aus den Gesprächsleitfäden, die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid den Betrieben selbst geben. Zu jeder der 15 Fragen steht eine komplette Antwort von einer Schülerin oder einem Schüler, zum Anpassen. Geschrieben von Mustafa Tarabya, der für sein eigenes Unternehmen eingestellt, jede Bewerbung selbst gelesen hat und heute die CVBooster-Ratgeber schreibt.
Woher die Fragen kommen
Es ist Ihr erstes Gespräch dieser Art, und auf der anderen Seite des Tisches sitzen zwei Erwachsene mit Ihrer Mappe, die sie gründlicher gelesen haben als Sie selbst. Das Gute daran: Viele Betriebe fragen nach einem festen Plan, und der Plan ist öffentlich.
Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz nennt in ihrem Fragenkatalog für Ausbildungsgespräche im Handwerk einen typischen Ablauf in neun Phasen, „unabhängig von der jeweiligen Branche“:
- Begrüßung
- Motive, Gründe der Bewerbung
- Schulischer Werdegang und berufliche Eignung
- Klärung der gesundheitlichen Situation
- Persönlicher, familiärer und sozialer Hintergrund
- Informationen für den Bewerber
- Ausbildungskonditionen
- Fragen des Bewerbers
- Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung
Der Leitfaden der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid rät den Betrieben, auf Floskeln nachzuhaken. Auf „Ich hatte schon immer Interesse für diesen Beruf“ folgt dort die Frage: „Was genau ist Ihr Interesse?“ Deshalb hat jede Antwort unten ein konkretes Erlebnis. Ein Satz ohne Beispiel bekommt eine Nachfrage.
Fragen zum Beruf und zum Betrieb
Warum möchten Sie diesen Beruf erlernen?
Der Betrieb will wissen, ob Sie wissen, was der Beruf im Alltag bedeutet.

Antwort Ausbildung: Warum dieser Beruf, Kfz-Mechatroniker (60 Wörter)
Ich schraube seit zwei Jahren mit meinem Onkel an seinem alten Golf, Bremsen, Ölwechsel, einmal den Zahnriemen. Dabei habe ich gemerkt, dass mich vor allem die Fehlersuche interessiert, also herauszufinden, warum etwas nicht läuft. In meinem Praktikum bei Ihnen in den Herbstferien durfte ich beim Auslesen des Fehlerspeichers zusehen. Genau das will ich lernen, die Mechanik und die Elektronik zusammen.
Worauf die Auswahl achtet
- Ein echtes Erlebnis statt „schon immer Interesse“. Das beantwortet die Nachfrage, bevor sie kommt.
- Das Praktikum im selben Betrieb wird genannt. Es ist das stärkste Argument der ganzen Bewerbung.
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Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?
Geprüft wird, ob Sie sich informiert haben. Die Bundesagentur für Arbeit gibt als Beispiel: „Mir gefallen die in der Stellenausschreibung genannten Aufgaben und die Produkte, die Sie herstellen.“ Machen Sie es konkreter.

Antwort Ausbildung: Warum bei uns, Kauffrau im Einzelhandel (65 Wörter)
Ich kaufe seit Jahren bei Ihnen in der Filiale am Markt ein, und mir ist aufgefallen, dass die Verkäuferinnen sich Zeit nehmen, auch wenn es voll ist. Auf Ihrer Website habe ich gelesen, dass Azubis im zweiten Jahr eine eigene Aktionsfläche gestalten. Das möchte ich machen. Und Sie bieten die Zusatzqualifikation Handelsassistentin an, das hat sonst keiner der Betriebe, bei denen ich mich beworben habe.
Haben Sie sich auch bei anderen Betrieben beworben?
Diese Frage steht wörtlich im Fragenkatalog der Handwerkskammer. Ehrlich antworten, und den Betrieb trotzdem vorne nennen.

Antwort Ausbildung: Andere Bewerbungen, Elektronikerin (55 Wörter)
Ja, bei zwei weiteren Elektrobetrieben im Landkreis und bei den Stadtwerken. Ich habe mich nur für Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik beworben, weil ich mir bei dem Beruf sicher bin. Ihr Betrieb ist meine erste Wahl, weil Sie auch Photovoltaik und Wallboxen machen und weil ich mit dem Fahrrad in zehn Minuten bei Ihnen bin.
Wie stellen Sie sich die Tätigkeit vor?
Geprüft wird, ob Sie den Alltag kennen, auch die unbequemen Seiten.

Antwort Ausbildung: Wie stellen Sie sich die Tätigkeit vor, Pflegefachfrau (62 Wörter)
Ich weiß aus meinem Schulpraktikum im Seniorenheim, dass ein großer Teil die Grundpflege ist, also Waschen, Anziehen, Essen reichen, und dass Dokumentation viel Zeit kostet. Früh- und Spätdienst wechseln, und am Wochenende wird auch gearbeitet. Mir ist klar, dass das anstrengend ist. Mir hat aber gefallen, dass man die Bewohner nach zwei Wochen wirklich kennt und merkt, wenn es jemandem schlechter geht.
Fragen zur Schule und zu Ihren Noten
Was ist Ihr Lieblingsfach?
Die Bundesagentur nennt diese Frage ausdrücklich für Ausbildungsbewerbungen. Ihr Beispiel: „Mathematik. Ich löse gerne kniffelige Aufgaben.“ Verbinden Sie das Fach mit dem Beruf.

Antwort Ausbildung: Lieblingsfach, Fachinformatiker (53 Wörter)
Informatik, und danach Mathe. In Informatik haben wir dieses Jahr mit Python ein kleines Quiz programmiert, und ich habe zu Hause noch eine Highscore-Liste dazugebaut, die keiner verlangt hatte. In Mathe stehe ich auf einer Zwei. Für Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung passt beides, weil man logisch denken und lange an einem Fehler dranbleiben muss.
Warum ist Ihre Note in Mathe schlechter geworden?
Die IHK nennt genau diese Art Frage als Beispiel: „Worauf führen Sie die Verschlechterung Ihrer Leistung im Fach X zurück?“ Keine Ausrede, ein Grund und was Sie dagegen tun.

Antwort Ausbildung: Schlechtere Note erklären, Industriekaufmann (68 Wörter)
Im Halbjahr der neunten Klasse hatte ich eine Vier, vorher eine Drei. Wir hatten einen Lehrerwechsel, und ich habe beim neuen Thema Funktionen den Anschluss verpasst und mich nicht getraut nachzufragen. Seit Februar gehe ich einmal pro Woche zur Hausaufgabenhilfe der Schule, und in der letzten Arbeit hatte ich eine Drei plus. Ich weiß, dass ich in der Ausbildung viel mit Zahlen arbeite, deshalb bleibe ich da dran.
Wie kamen Sie mit Ihren Lehrern zurecht?
Steht wörtlich im Katalog der Handwerkskammer. Gemeint ist: Wie gehen Sie mit Erwachsenen und mit Kritik um.

Antwort Ausbildung: Umgang mit Lehrern, Tischlerin (56 Wörter)
Mit den meisten gut. Mit meinem Werklehrer hatte ich am Anfang Streit, weil er meine Arbeiten oft zurückgegeben hat. Irgendwann habe ich ihn gefragt, was genau falsch ist, und er hat mir gezeigt, dass meine Fugen nicht sauber waren. Seitdem frage ich direkt nach, statt mich zu ärgern. Im Halbjahreszeugnis hatte ich in Werken eine Eins.
Was haben Sie im Praktikum gelernt?
Geprüft wird, ob Sie das Praktikum genutzt haben oder nur dabei waren.

Antwort Ausbildung: Was im Praktikum gelernt, Medizinische Fachangestellte (65 Wörter)
In meinem zweiwöchigen Praktikum in einer Hausarztpraxis war ich vor allem am Empfang. Ich habe gelernt, Versichertenkarten einzulesen, Termine im Praxisprogramm einzutragen und am Telefon zu fragen, ob es dringend ist. Am meisten gelernt habe ich, als eine Patientin laut wurde, weil sie lange warten musste. Die MFA hat ruhig erklärt, warum, und ihr einen Platz am Fenster angeboten. So möchte ich das auch können.
Fragen zu Ihnen als Person
Erzählen Sie uns etwas über sich.
Diese Frage steht im Katalog der Handwerkskammer fast wörtlich: „Wir würden Sie gerne ein wenig näher kennenlernen, erzählen Sie uns etwas über sich.“ Eine Minute reicht.

Antwort Ausbildung: Erzählen Sie etwas über sich, Anlagenmechaniker (65 Wörter)
Ich bin 16, gehe in die zehnte Klasse der Realschule in Landshut und mache im Sommer meinen Abschluss. Ich spiele seit acht Jahren Handball und trainiere inzwischen die E-Jugend mit. Zu Hause bin ich der, der den tropfenden Wasserhahn repariert, und letzten Sommer habe ich mit meinem Vater das Bad neu gefliest. Daraus ist der Wunsch entstanden, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zu werden.
Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Steht in Phase 5 des Katalogs. Eine Stärke mit Beleg, eine echte Schwäche mit Gegenmaßnahme. Mehr Beispiele finden Sie unter Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch.

Antwort Ausbildung: Stärken und Schwächen, Bankkauffrau (49 Wörter)
Meine Stärke ist, dass ich zuverlässig bin. Ich habe drei Jahre lang jeden Samstag Zeitungen ausgetragen und bin nie ausgefallen. Meine Schwäche ist, dass ich ungern vor vielen Leuten spreche. In der Schule habe ich mich deshalb freiwillig für die Präsentation in Wirtschaft gemeldet, und es wird langsam besser.
Wie gehen Sie mit Kritik um?
Der Katalog fragt: „Wie gehen Sie mit Kritik von Erwachsenen um?“ Ein Beispiel, in dem Sie etwas geändert haben.

Antwort Ausbildung: Umgang mit Kritik, Koch (54 Wörter)
Im Praktikum im Restaurant hat mir der Koch gesagt, dass meine Zwiebelwürfel viel zu ungleich sind und nicht gleichzeitig garen. Ich war erst beleidigt. Dann habe ich ihn gefragt, wie er schneidet, und zu Hause eine Woche lang jeden Abend geübt. Am Ende des Praktikums durfte ich die Zwiebeln für das ganze Mittagsgeschäft schneiden.
Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Die Handwerkskammer fragt: „Engagieren Sie sich z. B. in einem Verein?“ Gemeint ist Verlässlichkeit und Teamfähigkeit.

Antwort Ausbildung: Freizeit und Verein, Fachkraft Lagerlogistik (51 Wörter)
Ich bin seit vier Jahren in der Jugendfeuerwehr. Wir üben jeden Dienstag, und einmal im Jahr machen wir die Leistungsspange, bei der jeder im Team eine feste Aufgabe hat. Am Wochenende helfe ich manchmal im Getränkemarkt meines Nachbarn beim Einräumen der Lieferung. Da habe ich auch gemerkt, dass mir Lagerarbeit liegt.
Wie kommen Sie täglich zum Ausbildungsplatz?
Steht ebenfalls im Katalog. Der Betrieb fragt das, weil Ausbildungsbeginn oft früh ist.

Antwort Ausbildung: Anfahrt zum Betrieb, Bäckerin (50 Wörter)
Ich wohne in Altdorf, das sind elf Kilometer. Ich mache gerade den Führerschein für den Roller und habe die Prüfung im Mai. Bis dahin fährt der erste Bus um 4.52 Uhr, damit wäre ich um 5.15 Uhr da. Ich habe die Strecke letzte Woche einmal ausprobiert, um sicher zu sein.
Fragen zum Schluss
Haben Sie noch Fragen zum Ablauf der Ausbildung?
Diese Frage steht im Katalog in Phase 8. Haben Sie immer zwei Fragen dabei. Mehr Rückfragen stehen unter Welche Fragen stellen im Vorstellungsgespräch.

Antwort Ausbildung: Eigene Fragen stellen, Mechatronikerin (33 Wörter)
Ja, zwei. Wer ist im ersten Lehrjahr mein fester Ansprechpartner in der Werkstatt? Und Sie haben vorhin die überbetriebliche Ausbildung erwähnt. Wann ist der erste Block, und muss ich dafür nach Regensburg fahren?
Was spricht für eine Ausbildung bei uns?
Die Abschlussfrage aus Phase 9 des Katalogs. Fassen Sie zusammen, was Sie im Gespräch gehört haben.

Antwort Ausbildung: Zusammenfassung zum Schluss, Zimmerer (60 Wörter)
Für mich spricht viel dafür. Sie bauen viel mit Holzrahmen, und genau das hat mich im Praktikum am meisten interessiert. Sie haben gesagt, dass Azubis ab dem zweiten Jahr mit auf die Baustelle dürfen. Und ich habe gemerkt, dass die Gesellen hier Zeit zum Erklären haben. Für Sie spricht für mich, dass ich pünktlich bin, schwindelfrei und körperlich gern arbeite.
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Die Frage nach der Gesundheit
In Phase 4 fragt der Fragenkatalog nach gesundheitlichen Einschränkungen „mit evtl. beruflichen Auswirkungen“. Für Jugendliche gibt es dafür einen gesetzlichen Hintergrund. § 32 Jugendarbeitsschutzgesetz sagt, ein Jugendlicher darf nur beschäftigt werden, wenn „er innerhalb der letzten vierzehn Monate von einem Arzt untersucht worden ist (Erstuntersuchung)“. Antworten Sie ehrlich zu allem, was den Beruf betrifft, etwa eine Allergie in der Friseur- oder Bäckerausbildung. Alles andere darf kurz bleiben.
So bereiten Sie sich vor
- Lesen Sie die Anzeige und die Website des Betriebs, und notieren Sie zwei Dinge, die Ihnen gefallen.
- Suchen Sie für jede Frage oben ein eigenes Erlebnis aus Schule, Praktikum, Verein oder Nebenjob.
- Üben Sie die Antworten laut mit Eltern oder Freunden. Die Bundesagentur empfiehlt genau das.
- Prüfen Sie, ob Ihre Antworten zu Ihrem Lebenslauf als Schüler passen.
- Planen Sie die Anfahrt und fahren Sie die Strecke einmal ab.
Wer noch vor der Ausbildung ein Praktikum sucht, findet Muster unter Bewerbung Schülerpraktikum. Die allgemeinen Fragen für Berufserfahrene stehen unter Fragen im Vorstellungsgespräch. Kommt danach eine Absage, steht eine passende Antwort für Schülerinnen und Schüler in Antwort auf eine Absage.
Häufige Fragen
Welche Fragen werden bei einem Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung gestellt?
Fast immer: Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, was ist Ihr Lieblingsfach, was haben Sie im Praktikum gelernt, was sind Ihre Stärken und Schwächen und was machen Sie in der Freizeit. Dazu oft die Anfahrt, andere Bewerbungen und am Ende die Frage, ob Sie selbst noch Fragen haben.
Wie lange dauert ein Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung?
Meist 30 bis 60 Minuten. Der Leitfaden der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid empfiehlt den Betrieben „nicht länger als 45 Minuten, maximal eine Stunde“. Manche Betriebe hängen eine kurze Führung durch die Werkstatt oder eine kleine praktische Aufgabe an. Planen Sie also etwas mehr Zeit ein.
Was soll ich als Schüler im Vorstellungsgespräch sagen?
Sprechen Sie über konkrete Erlebnisse aus Schule, Praktikum, Verein oder Nebenjob, nicht über Eigenschaften. „Ich bin zuverlässig“ überzeugt erst mit dem Beispiel dahinter. Fachwissen erwartet niemand, wohl aber, dass Sie den Betrieb und den Beruf kennen und begründen können, warum Sie hier lernen wollen.
Welche Fragen kann ich im Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung stellen?
Fragen Sie nach Ihrem Ansprechpartner im ersten Lehrjahr, nach dem Ablauf von Berufsschule und überbetrieblicher Ausbildung, nach Übernahmechancen und danach, was Azubis im ersten Jahr konkret machen. Zwei gut vorbereitete Fragen reichen. „Wie viel verdiene ich“ steht meist schon in der Anzeige.
Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch für die Ausbildung an?
Die Bundesagentur rät, die Kleidung solle „immer eine Klasse besser sein als im angestrebten Arbeitsverhältnis üblich“. Für eine Werkstatt also saubere Jeans und Hemd oder Bluse, für eine Bank Anzug oder Blazer. Jogginghose und Hoodie nennt die Bundesagentur ausdrücklich als No-Go.
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- Welche Fragen stellen im Vorstellungsgespräch: 35 Rückfragen
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