Welche Fragen stellen im Vorstellungsgespräch: 35 Rückfragen
Von Mustafa Tarabya, Gründer von CVBooster · Veröffentlicht · Aktualisiert
7 Min. Lesezeit
Welche Fragen Sie im Vorstellungsgespräch stellen, entscheidet sich an einem Kriterium: Die Antwort muss Ihnen helfen, Ja oder Nein zu dieser Stelle zu sagen, und darf nicht schon auf der Website stehen. Stellen Sie zwei bis drei Fragen, nicht zehn, und heben Sie sich Gehalt und Urlaub für das Ende oder das zweite Gespräch auf. Die Bundesagentur für Arbeit rät ausdrücklich, eigene Fragen aufzuschreiben und mitzunehmen. Unten stehen 35 Rückfragen in sieben fertigen Sets, je nach Situation, dazu die Fragen, die Sie besser nicht stellen. Geschrieben von Mustafa Tarabya, der für sein eigenes Unternehmen eingestellt, jede Bewerbung selbst gelesen hat und heute die CVBooster-Ratgeber schreibt.
Warum die Rückfragen zählen
Am Ende kommt der Satz „Haben Sie noch Fragen an uns?“. Sie haben 45 Minuten über sich gesprochen, der Kopf ist leer, und die einzige Frage, die Ihnen einfällt, ist, wo der Ausgang ist. Genau dafür gibt es den Zettel.
Die Bundesagentur für Arbeit schreibt auf ihrer Seite Das Vorstellungsgespräch:
Zitat: „Du kannst dein Interesse am Unternehmen auch dadurch zeigen, dass du eigene Fragen stellst. Schreibe deine Fragen auf und nimm sie und einen Stift mit.“ (Bundesagentur für Arbeit)
Auf der anderen Seite des Tisches wird das genauso gesehen. Der Fragenkatalog der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, geschrieben für Betriebe, sagt dazu: „An klugen, durchdachten Fragen erkennt man sofort einen kompetenten Bewerber.“ Eine Rückfrage ist also keine Höflichkeit am Schluss. Sie wird bewertet wie jede Antwort davor.
Sieben fertige Sets
Jedes Set hat fünf Fragen. Wählen Sie zwei oder drei, je nachdem, was im Gespräch schon beantwortet wurde.
Set 1: Berufseinstieg nach Ausbildung oder Studium

Rückfragen Berufseinstieg, fünf Fragen (70 Wörter)
1. Wie sieht die Einarbeitung in den ersten drei Monaten aus, und wer ist in dieser Zeit mein fester Ansprechpartner? 2. Woran messen Sie nach der Probezeit, ob ich gut angekommen bin? 3. Welche Aufgabe würde ich in den ersten Wochen eigenständig übernehmen? 4. Was hat die Person, die zuletzt neu ins Team kam, im ersten Jahr gelernt? 5. Welche Weiterbildungen haben Kolleginnen und Kollegen in meiner Position zuletzt gemacht?
Worauf die Auswahl achtet
- Frage 2 zeigt, dass Sie an die Probezeit denken. Sie bekommen dazu die Kriterien, nach denen Sie bewertet werden.
- Frage 4 fragt nach einem echten Menschen. Darauf gibt es eine konkrete Antwort statt einer Broschüre.
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Set 2: Fachkraft mit Berufserfahrung

Rückfragen Fachkraft mit Erfahrung, fünf Fragen (66 Wörter)
1. Warum ist die Stelle frei, wurde sie neu geschaffen oder nachbesetzt? 2. Was soll in den ersten sechs Monaten anders sein als heute? 3. Mit welchen Abteilungen arbeite ich am meisten zusammen, und wo hakt es dort gerade? 4. Welche Software und welche Maschinen nutzen Sie, und was davon wird in nächster Zeit umgestellt? 5. Wie viel Spielraum habe ich bei der Reihenfolge meiner Aufgaben?
Worauf die Auswahl achtet
- Frage 1 ist die wichtigste. Wurde die Stelle dreimal in zwei Jahren nachbesetzt, ist das keine Fluktuation, sondern eine kaputte Rolle.
- Frage 2 zeigt die eigentliche Erwartung. Viele Anzeigen beschreiben den Ist-Zustand, das Gespräch den Soll-Zustand.
Set 3: Führungsposition

Rückfragen Führungsposition, fünf Fragen (64 Wörter)
1. Wie groß ist das Team, und wie lange sind die Mitarbeitenden im Schnitt schon dabei? 2. Welche Entscheidungen treffe ich allein, und wofür brauche ich eine Freigabe? 3. Wie viel Budget verantworte ich, und wer hat es bisher verantwortet? 4. Was ist das größte ungelöste Problem, das ich am ersten Tag erbe? 5. Wie würde das Team meine Vorgängerin oder meinen Vorgänger beschreiben?
Set 4: Teilzeit, Schichtdienst, Vereinbarkeit

Rückfragen Teilzeit und Schichtdienst, fünf Fragen (62 Wörter)
1. Wie werden die Dienste geplant, und wie weit im Voraus steht der Plan fest? 2. Wie läuft das Tauschen von Diensten im Team? 3. An welchen Tagen oder Uhrzeiten ist die Teilzeit gebunden, und wie flexibel ist das? 4. Wie werden Überstunden erfasst und ausgeglichen? 5. Arbeiten im Team weitere Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit, und wie wird die Übergabe organisiert?
Worauf die Auswahl achtet
- Fragen nach dem Plan statt nach Freizeit. „Wie weit im Voraus steht der Plan“ klingt nach Organisation, nicht nach Urlaubswunsch.
- Frage 5 zeigt, ob Teilzeit dort gelebt wird. Ist man die einzige, wird jede Übergabe zur Sonderlösung.
Set 5: Wechsel aus einer anderen Branche

Rückfragen Quereinstieg, fünf Fragen (57 Wörter)
1. Welche Kenntnisse aus meinem bisherigen Beruf sind für Sie am wertvollsten? 2. Was müsste ich in den ersten Monaten nachlernen, und wie unterstützen Sie das? 3. Gibt es im Team andere Quereinsteigerinnen oder Quereinsteiger? 4. Welche Zertifikate oder Schulungen erwarten Sie nach einem Jahr? 5. Woran sind Quereinsteiger bei Ihnen bisher gescheitert, falls das schon vorkam?
Set 6: Fragen an das Team im zweiten Gespräch

Rückfragen an künftige Kollegen, zweites Gespräch, fünf Fragen (53 Wörter)
1. Wie sieht ein normaler Dienstag bei Ihnen aus? 2. Was nervt Sie im Alltag am meisten, und was wird dagegen getan? 3. Wie bekommen Sie Rückmeldung zu Ihrer Arbeit? 4. Wann haben Sie zuletzt etwas verändert, das Sie selbst vorgeschlagen haben? 5. Was hätten Sie in Ihrem ersten Monat gern früher gewusst?
Worauf die Auswahl achtet
- Das Team beantwortet Fragen anders als die Leitung. Frage 2 bekommt im Teamgespräch eine ehrlichere Antwort.
- Frage 5 ist die beste Einarbeitung vor dem ersten Tag. Die Antwort sagt Ihnen, was in keinem Handbuch steht.
Set 7: Fragen zum Schluss und zum weiteren Ablauf

Rückfragen zum Abschluss und zum weiteren Verfahren, fünf Fragen (56 Wörter)
1. Wie geht es nach diesem Gespräch weiter, und bis wann darf ich mit einer Rückmeldung rechnen? 2. Gibt es ein zweites Gespräch oder einen Probearbeitstag? 3. Fehlt Ihnen von mir noch eine Unterlage oder eine Information? 4. Gibt es etwas in meinem Lebenslauf, zu dem Sie noch Bedenken haben? 5. Wann wäre der gewünschte Eintrittstermin?
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Wann welche Frage passt
Die Bundesagentur empfiehlt für den Schluss eine ganz bestimmte Frage: „Bedanke dich am Ende für das Gespräch und frage, wann du mit einem Feedback rechnen kannst (falls du es noch nicht bekommen hast).“ Das ist Frage 1 aus Set 7, und sie sollte in jedem Gespräch fallen.
Für den Zeitpunkt hilft der Blick in die Leitfäden der Arbeitgeber. Die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid schreibt den Betrieben: „Meist bietet sich an, zum Ende des Gespräches dem Bewerber die Gelegenheit zu geben, noch eigene Fragen zu stellen bzw. zu klären.“ Ihre Fragen haben also einen festen Platz am Ende. Fällt Ihnen mitten im Gespräch eine Frage zur Aufgabe ein, dürfen Sie sie trotzdem dort stellen, das wirkt interessiert und nicht unhöflich.
Frage 4 aus Set 7 braucht etwas Mut. Sie gibt Ihnen aber die Chance, einen Zweifel noch im Raum zu klären, statt ihn in der Absage zu lesen.
Fragen, die Sie besser nicht stellen
- „Was macht Ihr Unternehmen eigentlich?“ Das steht auf der Website, und jeder im Raum weiß, dass Sie sie hätten lesen können.
- „Wie viele Urlaubstage habe ich?“ als erste Frage. Das gehört ans Ende oder ins zweite Gespräch.
- „Kann ich ab sofort ganz im Homeoffice arbeiten?“ Fragen Sie besser, wie die Arbeit im Team organisiert ist.
- „Habe ich die Stelle?“ Fragen Sie stattdessen nach dem weiteren Ablauf.
- Fragen, die im Gespräch schon beantwortet wurden. Streichen Sie sie während des Gesprächs auf Ihrem Zettel.
So bereiten Sie Ihren Zettel vor
- Schreiben Sie sechs Fragen auf, damit nach dem Gespräch noch zwei übrig sind.
- Formulieren Sie mindestens eine Frage, die sich auf etwas aus der Anzeige bezieht.
- Legen Sie Ihren tabellarischen Lebenslauf daneben und überlegen Sie, wo noch eine Frage zu Ihnen kommen könnte.
- Notieren Sie die Antworten kurz, damit Sie im zweiten Gespräch darauf aufbauen können.
Die Fragen, die Ihnen vorher gestellt werden, finden Sie mit Antworten unter Fragen im Vorstellungsgespräch. Für Azubis gibt es eine eigene Sammlung unter Fragen im Vorstellungsgespräch zur Ausbildung. Wer im öffentlichen Dienst eingeladen ist, sollte die Entgeltgruppe kennen, siehe TVöD Entgeltgruppe in der Bewerbung. Haben Sie nach dem genannten Termin nichts gehört, helfen die Muster in Bewerbung nachfragen.
Häufige Fragen
Welche Fragen sollte man beim Vorstellungsgespräch stellen?
Fragen, deren Antwort Ihnen bei der Entscheidung hilft: zur Einarbeitung, zu den Erwartungen der ersten Monate, zum Grund, warum die Stelle frei ist, zum Team und zum weiteren Ablauf. Zwei bis drei Fragen reichen. Die Frage nach der Rückmeldefrist sollte immer dabei sein, die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt sie ausdrücklich.
Wie viele Fragen sollte ich im Vorstellungsgespräch stellen?
Zwei bis drei. Bereiten Sie sechs vor, weil einige im Gespräch schon beantwortet werden. Mehr als vier Fragen ziehen das Ende in die Länge, besonders wenn der nächste Termin wartet. Fragen Sie im Zweifel, ob noch Zeit für eine letzte Frage ist.
Darf ich im Vorstellungsgespräch nach dem Gehalt fragen?
Ja, aber nicht als erste Frage. Wird das Gehalt nicht angesprochen, fragen Sie am Ende oder im zweiten Gespräch, etwa nach der Gehaltsspanne oder der Eingruppierung. Steht in der Anzeige eine Entgeltgruppe, fragen Sie nach der Stufe. So klingt die Frage nach Planung und nicht nach Ihrem einzigen Motiv.
Ist es schlimm, wenn ich keine Fragen habe?
Es kostet Punkte. Die Handwerkskammer schreibt Betrieben, dass man an klugen Fragen „sofort einen kompetenten Bewerber“ erkennt. Wurden alle Fragen beantwortet, sagen Sie das und nennen Sie eine: „Sie haben meine Fragen zur Einarbeitung schon beantwortet. Wann darf ich mit einer Rückmeldung rechnen?“
Welche Fragen kann ich am Ende des Vorstellungsgesprächs stellen?
Fragen zum weiteren Ablauf: Wann kommt eine Rückmeldung, gibt es ein zweites Gespräch oder einen Probearbeitstag, fehlt noch eine Unterlage, wann wäre der Eintrittstermin. Mutig und wirksam ist die Frage, ob es zu Ihrem Lebenslauf noch Bedenken gibt. Dann können Sie einen Zweifel direkt ausräumen.
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